Logo

 
Fahrrad - Cycling Stuff
 

 
Aus der Zeitschrift "Radfahren" 2/94, von Prof. Dr. Volker Briese
Seite 1 von 3

 
Automobilverbände bestimmen Fahrradpolitik
In den zwanziger und dreißiger Jahren wurde der Radwegebau als Flankierung der Motorisierung von den Automobilinteressen unterstützt. Die Frage ist, ob sich gegenüber damals heute viel verändert hat. Volker Briese präsentiert Belege dafür, daß der Bau von Radwegen spätestens seit den zwanziger Jahren eine Förderung der Motorisierung war und sie wohl nur gebaut wurden, weil sie die Straßen für Autos frei machten.
       Es ist erstaunlich, wie offen vor dem Zweiten Weltkrieg der Nutzen der Radwege für den Kraftfahrzeugverkehr erkannt und auch publiziert wurde. In der heutigen Diskussion finden sich nur selten von Seiten der Automobilinteressen Hinweise, daß es ein ganz egoistisches Interesse der Autofahrer am Radwegebau gibt. Eine dieser wenigen Stellen enthält der Ergebnisbericht des Städtewettbewerbs "Sicherheit für den Radfahrer", der 1980 vom ADAC mit Unterstützung des Bundesministers für Verkehr durchgeführt wurde, bei dem der Radweg als der Königsweg für die Radfahrer präsentiert wird. Da heißt es, daß der ADAC schon lange Radwege fordere. Schon 1960, in einer Zeit, in der viele Radwege der Straßenbreite zugeschlagen wurden oder zu Parkstreifen umgewidmet wurden, habe der langjährige ADAC-Präsident Hans Bretz geschrieben: "Daß wir als Kraftfahrer für den Radwegebau eintreten, hat seinen guten Grund, nachdem unsere Forderung seit Jahren dahingeht, daß wir einen homogenen Verkehr benötigen, das heißt Straßen für jede Fahrzeuggattung."
 

 
Enge Verbindung von Fahrrad- und Autoindustrie
Die Offenheit hinsichtlich der Automobilinteressen am Radfahrwegebau der dreißiger Jahre mag zu erklären sein mit der noch nicht so scharfen Konfrontation zwischen Radfahren, die ja die deutliche Mehrheit der Verkehrsteilnehmer stellten, und den Autofahrern. Autofahren und Radfahren waren noch nicht so emotional aufgeladen wie in den siebziger Jahren, wo die Radfahrer sich in eine schlecht behandelte Minderheitenposition gedrängt fanden, die durch aggressive Aktionen auf sich aufmerksam machen mußte, um Verbesserungen ihrer Verkehrsbedingungen zu erreichen. Dieser Minderheit wurden, durchaus ihrer Forderung entsprechend, wenn auch qualitativ und quantitativ ungenügend, zur Beruhigung seit den achtziger Jahren wieder Verstärkt Radwege gebaut. Das tat nicht sehr weh und nützte nach wie vor zumindest auch dem motorisierten Verkehr.
 
Radwege zum Nutzen der Autofahrer
Die Branchenzeitschrift "Radmarkt" als Quelle eignet sich besonders für die Suche nach Belegen. Vor dem Zweiten Weltkrieg wird darin der Nutzen des Radwegebaus für die Kraftfahrer in verschiedenen Beiträgen sehr deutlich formuliert. "Radmarkt" war ja keine Fahrradzeitschrift, sondern eine Publikation, die sich an Leser im weiten Bereich der Fahrzeugwirtschaft richtete. Und das waren spätestens ab der Jahrhundertwende zunehmend auch Autofahrer und ein wirtschaftlich an der wachsenden Motorisierung interessierter Personenkreis. Aber auch Radfahrerverbände verschlossen sich nicht der Motorisierung. Einige nahmen zumindest den Motorradsport mit in ihren Aufgabenbereich auf. Fahrradsport und Motorsport wurden nicht als Gegensatz, sondern das motorisierte Fahrzeug wurde als die konsequente Weiterentwicklung des muskelbetriebenen Fahrzeugs angesehen.
 

 
Home | Übersicht dieser Rubrik